the one about: #flugangst

lemonlove flight

+++BREAKING++ meine flugangst ist WEG! ganz! von einem tag auf den anderen, genauso wie sie gekommen ist! ich lass diese tipps trotzdem hier, weil sie mir immer geholfen haben +++

als kind habe ich keinen gedanken daran verschwendet, ob ich gerne fliege oder nicht. die vorfreude auf das ziel war wichtiger. mit mitte 20 bin ich am liebsten bei leichten turbulenzen geflogen, weil ich da am besten schlafen konnte.

dann bei einem rückflug von tehran nach wien war sie plötzlich da. die panik. das gefühl nicht mehr atmen zu können. nasse hände. beklemmung. von einer sekunde zur anderen hat sich mein hirn in den alarm-modus begeben. ohne grund – es war ein komplett ruhiger flug.

seit damals lebe ich mit flugangst bzw. eigentlich einer kontrollverlustangst. ich begebe mich nicht gern in abhängigkeit von anderen (wahrscheinlich ist das auch der grund warum ich mich beruflich selbstständig gemacht habe). die freie wahl zu haben, ist für mich der größte luxus und wenn ich einmal im flugzeug sitze, dann habe ich keine wahl mehr. ich kann den ort nicht verlassen. ich muss die kontrolle zu 100% abgeben an personen, die ich nicht kenne: die techniker, mechaniker, piloten, bodenpersonal, towerpersonal,…etc.

für viele nicht einen gedanken wert, für mich die persönliche hölle. abhängigkeit von anderen.

übrigens kenne ich alle „hilfreichen“ (sind sie nicht, bitte nicht leuten mit flugangst sagen) sprüche, wie die „fahrt zum flughafen ist viel gefährlicher als das fliegen„. DAS HILFT ÜBERHAUPT NICHT – es sorgt maximal dafür, dass man sich eh nur noch blöder fühlt, als man es schon tut – weil unsere logik sagt uns das eh selber, es ändert nur nichts.

es gab zeiten, da habe ich am himmel ein flugzeug gesehen und atemnot bekommen. das ist inzwischen wenigstens schon besser geworden.

ich habe mir selbst versprochen, dass ich niemals auf reisen verzichten werde, nur weil ich angst habe. ich werde nicht zulassen, dass meine angst mein leben beeinflusst.

buchen: ich fliege nicht mit allen airlines, das wird natürlich beim buchen der reise brücksichtigt. auch wenn es finanziell nicht immer die beste entscheidung ist. lufthansa und emirates sind bei bevorzugten airlines bei langstrecken. innerhalb europas fliege wenn irgendwie möglich mit austrian – weil ich die heimischen betriebe immer bevorzuge. was hilft: der ruhigste platz befindet sich meiner erfahrung nach in den reihen direkt über den flügeln. außerdem sind da immer notausgänge in der nähe. gangplatz ist mein favorit, damit ich möglichst schnell aufstehen kann.

vor der reise: ein paar tage vor der reise fängt das mulmige gefühl schon an. ich werde unruhig. flattrig. unkonzentriert. bei aller vorfreude auf die reise – und reise wirklich gerne – warte ich nur auf einen grund um nicht zu fliegen. ich fange an das wetter auf der ganzen flugstrecke zu prüfen. ich fange an die nachrichten nach flugstories zu screenen. was hilft: listen. ich liebe listen. es entspannt mich, wenn ich meine listen für die reise aufsetze. eine fürs packen (ich versuche immer nur mit handgepäck zu reisen, da ist es wichtig zu überlegen, was mitkommen muss), eine für to dos die erledigt werden müssen davor, eine für die termine und fixpunkte auf der reise, eine für mitbringsel.

am tag der reise: ich versuche möglichst wenig zu schlafen am vorabend, damit ich müde bin in der hoffnung, dass es mich entspannt. tut es nicht. ich funktioniere nur mechanisch. wie ein zombie. ich bin reizbar, nervös. ich habe den drang mich bei allen meinen lieben nochmal zu melden. ich hinterlasse nachrichten und versuche sicherzugehen, dass es keinen streit gibt vor dem fahren. meine atmung wird schwerer. was hilft: ich trinke keine koffeinhaltigen getränke und versuche möglichst nicht viel zu essen. ich packe mir (je nach flugdauer) ein paar snacks ein, wie nüsse oder obst. ich versuche genug wasser zu trinken, was zwar andere probleme bringt, aber wenn ich durstig bin, werde ich noch nervöser. außerdem lenke ich mich mit social media und kioskbesuchen/zeitschriftenstöbern ab.

im flieger: am weg zum flieger versuche ich ihn von außen zu sehen, ob alles damit optisch in ordnung ist (als würde ich erkennen, wenn nicht…). sobald ich mich hingesetzt und angeschnallt habe, muss ich die sitzreihen zählen die zu den notausgängen vor und hinter mir führen. ich will wissen wieviele es sind, falls es rauch im flieger gibt. ich beobachte die flugbegleiter um zu schauen, ob sie entspannt sind. ich screene die passagiere ob irgendetwas an ihrem verhalten auffällig ist. ich schaue mich im flieger um, ob alles passt (auch hier würde ich es natürlich nicht erkennen, wenn nicht). der schlimmste moment beim fliegen ist der zeitpunkt wo wir am rollfeld anfangen loszufahren – point of no return. ab da weiß ich, ich kann nichts mehr tun. ich bin anhängig. ich versuche nicht daran zu denken, dass zig flieger in der luft sind und wir zusammenstoßen könnten. ich versuche nicht an zig organisationen zu denken, die flugzeuge entführen wollen. ich versuche nicht daran zu denken, dass wir über länder fliegen, die flugzeuge auch mal abschießen und dann sagen „ooops, wir haben uns geirrt“. ich versuche nicht daran zu denken, dass der pilot ein suizidgefährdeter irrer sein kann. ich versuche nicht daran zu denken, dass der mechaniker bei der letzten wartung einfach einen fehler gemacht hat. oder wir durch turbulentes wetter fliegen. oder ein seuchenherd von einem der passagiere verbreitet wird,… oder oder oder – dank meiner blühenden fantasie denke dauernd. an. alles. was hilft: ich habe ein fixes flugangst-package, dass sich im laufe der zeit bewährt hat. es besteht aus: einem kopfpolster (mir graust vor denen, die man bekommt), einer wasserflasche (durst macht unruhe schlimmer), ohropax (ich bin viel ruhiger, wenn ich den dröhnenden fluglärm nicht höre), ein malbuch, etwas zum lesen, das ipad mini mit serien und filmen, desinfektionstücher, ein inhalierstift (freie nase hilft bei der unruhigen atmung), eigene kopfhörer, meine snacks (ich esse kein essen im flieger), tomatensaft (den bestelle ich immer) und falls alles an dem tag nicht hilft: schlafmittel (nix homöopathisches, sondern 100% schädliche, wirksame chemie).

und dann komme ich an, UND ICH HAB ÜBERLEBT.

lemonlove survived

ich will diese angst nicht, ich hab sie trotzdem. ich liebe es zu reisen, ich kann keine flugangst haben. ich hab sie trotzdem.

ABER. ich tu es trotzdem, ich steige jedesmal wieder in den flieger ein. und ich habe es nie bereut. die erinnerungen, die man sich mit reisen schafft, sind unbezahlbar.

und irgendwann geht es vorbei, wie es gekommen ist. i hope.

 

 

Share

Kommentare

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  1. Greta says

    Puh, das hört sich aber nicht schön an und in Ansätzen kann ich deine Gefühle total nachvollziehen :-/ Das allerwichtigste ist aber, wie du es auch machst, sich nicht zu verkriechen und sich der Angst zu stellen, denn dann wird sie (vll nicht sofort spürbar) aber nach und nach weniger oder zumindest nicht größer.
    Und super, dass du so offen darüber schreibst!
    Viele Grüße und immer sichere Landungen
    Greta